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Spotorno? Nie wieder!

Spotorno Italien nie wieder
Beitrag von Jolly

Spotorno | Italien | September 2015

Wir fahren durch die Maut-Station wieder auf die Autobahn.

Ich lasse einen tiefen Seufzer los.

Luke drückt auf’s Gaspedal.

„Nie wieder!“

„Nie wieder!“

Stummes, heftiges Nicken bei uns beiden, nicht ein Blick zurück und das feste Vorhaben im Gepäck meine Leser so bald wie möglich vor diesem Ort zu warnen!

 

Nie wieder Spotorno!

Oder: Wie Spontanreisen auch gehörig nach hinten los gehen können, wenn man seine eigenen Ratschläge ignoriert…

 

Als Reiseblogger schreibe ich für gewöhnlich eher von tollen Erlebnissen. Warum? Ich möchte meine Leser daran teilhaben lassen, Tipps weitergeben und ihnen so ähnlich tolle Erlebnisse ermöglichen! Es ist ein tolles Gefühl, wenn ihr euch für einen tollen Tipp bedankt und von euren eigenen Erfahrungen berichtet.

Jetzt ist aber beim Reisen nicht immer alles schön! Manchmal – vor allem bei ungeplanten Roadtrips – greift man mit einer Übernachtungsgegend eben auch schonmal gehörig daneben! Und ich finde, ich sollte auch darüber schreiben!

Hier kommt also meine erste sehr deutliche „Nicht-Empfehlung“

Der Erfahrungsbericht von unserem One-Night-Stop an der italienischen Küste der ein mächtiger Griff ins Klo war und eine klare Warnung an dich, es uns nicht nachzutun!

 

Aber langsam und von vorne!

Unser Roadtrip dieses Jahr führte uns vor allem durch Frankreich und das war wirklich super schön! Davon werde ich dir ganz sicher auch noch berichten. Unser Plan war, den Urlaub mit einem Besuch in München bei Freunden abzuschließen und wenn man einmal in Frankreichs Süden ist, dann bietet sich die Tour über die Italienische Küste an.

Wir hatten noch genug Zeit, auch da ein paar Tage zu verbringen – nur wo?

Ich stellte eine Frage an die Reisecommunity „Free Travel Tipps“ auf Facebook (hier ist der Link, falls du auch vorbeischauen möchtest, die Gruppe ist für jeden offen). Ich bekam auch direkt mehrere toll klingende Tipps von den Mitgliedern der Gruppe (Danke nochmal dafür!). Am tollsten klang die Empfehlung in den Nationalpark Cinque Terre zu fahren.

 

Eine großartige Empfehlung – und was machen wir Deppen stattdessen?

Ich könnte mir heute noch dafür in den Hintern treten…

Wir sind in Frankreich recht spät erst los gekommen und brauchten eine Bleibe, die näher an uns dran war. Wir waren vorbereitet: Unser lieber Nachbar hatte uns noch einen Italien-Reiseführer in die Hand gedrückt mit einem wissenden Augenzwinkern und dem Versuch uns dieses Land schmackhaft zu machen.

Wir warfen also einen Blick dort hinein, auf der Suche nach einer schönen Gegend, die etwa 200km näher an uns dran war. Dieser Reiseführer empfahl die ligurische Küste. Ein nicht so touristisch überladener, aber wunderschöner Ort sollte Noli sein.

 

Klingt doch gut, oder? Wir sind also nach Noli gefahren.

Italien Noli

Der kleine Strand von Noli. Hier müssen die Badegäste auch schonmal den Fischern Platz machen, die am Nachmittag ihre Bote einholen…

Noli – das was wir von diesem kleinen Städtchen gesehen haben war tatsächlich schön. Es gab am Strand ein Eis für mich und einen Espresso für Luke, dann begann die Suche nach einer Unterkunft.

Italien Noli

Unser Navi zeigte keine Zeltplätze in der Nähe, also ab zu Tourist-Info, die typisch italienisch nach ihrer ausgedehnten Mittagspause ganz gemütlich um 17:00 Uhr erst ihre Türen wieder öffnete.

Ja, natürlich habe man einen Zeltplatz, sagte die nette Touri-Info-Dame, die sogar etwas Deutsch sprach. Der sei allerdings in Spotorno – gar nicht weit! Nur 2 Minuten mit den Auto entfernt. Hört sich doch super an! Wir also ins Auto und ab nach Spotorno…

 

Und ab da ging es steil bergab…

Halb Spotorno war eine Baustelle und wir sind ganz schön rumgekurvt, bis wir den Zeltplatz gefunden hatten – aber gut, das kann ja mal sein. Alles halb so wild…

Dann der Zeltplatz… Hatte auch eigentlich gerade (um 18:00 Uhr) noch „Mittags“-Pause, der Besitzer war trotzdem da und nahm es schon als gegeben, dass wir blieben. Wir bekamen einen Platz zugewiesen und zeitgleich beim Anmelden einen dicht bedruckten Zettel in die Handgedrückt – das seien die Platzregeln. Spätestens da hätten wir einfach weiterfahren sollen. Aber wir waren einfach zu müde um weiter zu suchen.

Beim Aufbauen des Zeltes dämmerte uns so langsam, dass wir nur eine Nacht bleiben würden: Die Hunde auf dem Nachbargrundstück kläfften ohne Ende (nichts gegen Hunde, ganz im Gegenteil, aber die Tiere klangen schon richtig aggressiv), die Kinder der Italiener (wir waren die einzigen Nicht-Italiener auf dem Platz) spielten (ok – auch noch idyllisch) und als wir uns gerade zuriefen, dass es kein leiser Platz sei, fuhr eine Bahn direkt am Platz vorbei und ab da im 20 Minuten Rhythmus.

JACKPOT!

Es wurde aber noch besser! Wir redeten uns gegenseitig gut zu: „Das ist bestimmt nur der Platz und der Ort ist sicher schön, lass uns doch mal gucken gehen…“. Ähm… Ja…

Der Ort war leider nicht schön! Nicht mal im Ansatz!

Er war sogar recht hässlich. Und im Stadtkern voll. Also wirklich voll! Und laut. Es gab quasi eine Straße, die belebt war und die war voll mit (italienischen) Touristen. Die Touri-Shops hatten auch an einem Sonntag um 20:30 Uhr noch geöffnet. Dazu gab es eine Menge Restaurants und das war’s. Es war kurz gesagt für unsere Begriffe echt ein kleiner Alptraum. Da war gefühlt alle Ruhe, die wir in der Natur Frankreichs getankt hatten wieder weg…

 

Wo kamen diese Menschen alle her?

Die Antwort auf die Frage haben wir auch noch gefunden – auf der Suche nach dem Strand.

Wir dachten uns: Wenn die alle hier sind, dann ist doch der Strand bestimmt leer. Soweit richtig gedacht! Den Strand haben wir auch schnell gefunden, allerdings nicht den Eingang.

Spotorno nie wieder

Der Eingang zum Strand? Endlich?

Richtig gelesen: Dieser Strand hatte tatsächlich Eingänge! Ein Strandhotel neben dem anderen und die Zugänge zum Strand waren tatsächlich versperrt. Bis auf einen, den wir nach einigem Suchen fanden. Ich glaube eigentlich war auch der privat, denn als wir endlich Sand unter den Füßen und einen Blick auf das Meer hatten fiel unser Blick auf ein Schild.

Spotorno nie wieder!

Nichts für Besucher: Öffentlicher Strand: 200m rechts!

Das Schild wies freundlich aber bestimmt darauf hin, dass der öffentliche Strand erst in 200m anfing. Dreimal darfst du raten: Das war natürlich der Teil mit Felsen und groben Steinen.

 

Spotorno hatte also sein Bestes gegeben, uns davon zu überzeugen, dass wir am nächsten morgen weiterfahren würden. So früh wir konnten, das Zelt abbauen und los.

Aber auch das ging nicht so ohne Weiteres. Denn da gab es ja den dichtbedruckten Zettel, den wir vom Zeltplatzinhaber bekommen hatten… Der fiel uns am Zelt wieder in die Hand. Und das war keine Info zur Stadt, wie wir vermutet hatten, sondern die Platzregeln. Sogar in deutsch. Ein DIN A4 Zettel dicht bedruckt mit Regeln… Die Türen nicht knallen, Öffnungszeiten der Rezeption beachten, nicht offen grillen, Kinder dürfen nicht mit dem Ball spielen und lauter so nette (teilweise auch wirklich unnötige) Hinweise. Dort stand außerdem: „Kein Zelt abbauen vor 8:00 Uhr!“…

Rate mal, wann wir unser Zelt abgebaut haben? Richtig! Um 8:00 Uhr. 10 Minuten später saßen wir im Auto und waren weg.

 

Spotorno nie wieder

Der Campingplatz war zugepflastert mit nützlichen Vorschriften…

 

Jetzt weißt du, warum ich sage: „Spotorno? Nie wieder!“

Ich weiß, dass das sicher jeder ein bisschen anders sieht. Vielleicht gehörst du ja gerade zu den Leuten, die gerne in einem Hotel mit abgesperrtem Stück Strand und Touristenmeile Urlaub machen. Da will ich dir auch gar nicht von abraten, denn dafür ist Spotorno bestimmt gut.

Zum Campen und ruhig am Strand sitzen, was wir uns vorgestellt hatten, ist Spotorno auf jeden Fall nicht geeignet. Wir hatten auf Italien erstmal keine Lust mehr und sind einfach direkt nach München durchgefahren. Das war für uns definitiv eine sehr gute Entscheidung!

 

Es gab noch eine Sache hat mich ein wenig mit dem Abend in Spotorno versöhnt…

Die gute italienische Küche! Denn auch wenn der Rest echt großer Mist war – Pasta und Pizza können sie einfach wie kein anderer!

(P.s.: Bock auf richtig leckeren, original italienischen Pizzateig? Hier ist mein Rezept!)

Ich bin auch froh, dass wir vor ein paar Jahren einen schönen Urlaub am Gardasee hatten, sonst wäre Italien vorerst (vermutlich ganz groß zu Unrecht) von meiner Urlaubsliste verschwunden!

Italien Gardasee

Auf dem Rückweg haben wir einen kleinen Mittags-Stop dort gemacht. Immer noch schön da! Vielleicht ist das unser nächstes Ziel in Italien…

 

Fazit: Das passiert eben, wenn man seiner eigenen Taktik untreu wird!

In meinem eBook (du kannst es hier kostenlos anfordern) empfehle ich mehrfach, sich Tipps und Erfahrungswerte von anderen zu holen und danach zu Reisen! Wären wir mal den Tipps entsprechend in die Cinque Terre gefahren… Die Nacht in Spotorno war dann wohl die gerechtfertigte Quittung! ;)

 

Ich gebe Italien aber gerne eine zweite Chance!

Kannst du mir eine Gegend und auch gerne Campingplätze in Italien empfehlen? Beim nächsten Mal höre ich auch ganz sicher darauf!

 

Schreib mir deine Empfehlungen in die Kommentare! Ich freu mich drauf!

9 Kommentare

  • Als Italien-Fan, der so ziemlich jedes Jahr auf jeden Fall einmal in diesem Land ist, kann ich sagen: Gib Italien eine Chance! Es ist ein herrliches Land! Es hat wunderschöne Städte, wunderschöne Ecken, wunderbares Essen…

    empfehlen kann ich Dir einiges :D Wo fange ich an ;)
    Darf ich verlinken? Falls nicht, einfach die Links rauslöschen…

    Zuerst kann ich Dir mal Lidias BeB „Casa Gentile“ empfehlen – ein herrlich gemütliches Eckchen in Como, von wo aus man schöne Unternehmungen machen kann. Allerdings sollte man am Comer See tatsächlich darauf achten, nach Saison-Beginn dort zu sein – nicht unbedingt in der Hauptsaison vielleicht, aber zumindest auch nicht außerhalb der Saison. Dann fahren nämlich viel weniger Schiffe. Wenn man allerdings eh ein Auto hat und damit um den See fahren kann, ist das vielleicht auch nicht so schlimm.
    https://wandernd.wordpress.com/2015/05/07/mein-erstes-mal-airbnb-bei-lidia-in-como/

    Meine italienische Herzensstadt ist nach wie vor Florenz. Allerdings rate ich hier eindringlich zu einem Besuch in der Nebensaison!! Und nicht nur einen Tagesausflug. Es ist zu viel für einen Tagesausflug. Dann kann man nur die Hauptsehenswürdigkeiten abklappern und hat ansonsten keine Zeit. Die sind natürlich total überlaufen – und in Erinnerung bleibt dann nur ein touristisch total überlaufener Ort. Also lieber ein langes Wochenende einplanen, treiben lassen, auch in den Nebengassen, und gemütlich bummeln. :)
    https://wandernd.wordpress.com/category/europa/italien/florenz/
    Und wenn ihr schon da seid – ab nach Fiesole und dort die Ruhe genießen :)
    https://wandernd.wordpress.com/2015/05/10/fiesole/

    Die ländliche Toskana kenne ich leider selbst noch viel zu wenig – weil ich eben kein Auto habe und deshalb schlecht die ländliche Toskana bereisen kann. :( Aber die Landschaft ist ein Traum!

    Und als letzten Tipp: Capri, Amalfiküste und Golf von Neapel – auch hier wieder eine unbedingte Empfehlung: NEBENSAISON!!!!! Im Oktober war es noch warm genug, um zu baden. In Capri musste man nur ein bisschen gehen und schon ließ man die Touri-Massen hinter sich. Sehr angenehm :)
    https://wandernd.wordpress.com/2015/10/23/meine-lieblingsfarbe-capri-blau/

    Was ich dagegen weniger spannend fand, waren Milano und Bologna…

    Ja, ihr seht schon – Italien liegt mir am Herzen. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich mir vorstelle, dass jemand dieses Land wegen so einer schlechten Erfahrungen komplett abschreiben würde!
    Ich hoffe, ich konnte euch ein bisschen Appetit machen ;)

    LG, Ilona

    • Hallo Ilona! Wow, vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort!
      Italien bekommt auf jeden Fall eine weitere Chance! Ich werde mir sehr gerne mal deine Artikel dazu durchlesen!

      Und Appetit ist bei Italien ja eh mein Stichwort! ;)
      Liebe Grüße!
      Jolly

  • Wir werden dieses Jahr ein 4. Mal nach Noli reisen. Wir haben unser Herz an diesen idyllischen Ort verloren. Deine Kritik an Spotorno kann ich schon nachvollziehen.
    Wenn wir abends mal dort waren, jubelten wir unser Ausgangslager in Noli zu haben.
    Man kann eben auf ein paar km Distanz Glück oder Pech haben.
    Kein Grund Italien aufzugeben ;)

    • Hach, das passt so gut zu meinem Eindruck von der Ecke – wir wollten ja auch eigentlich nach Noli und hatten dort leider nichts gefunden. Die Empfehlung der Dame in der Touri-Info hat uns dann leider in die falsche Ecke geschickt. Noli war wirklich ein tolles kleines Örtchen, da wären wir auch gerne geblieben – wo übernachtet ihr denn da immer?

      Liebe Grüße!
      Jolly

  • Hallo,

    schade, dass Du diesen Eindruck mitgenommen hast. Spotorno ist schöner und besser. Wir fahren seit über 30 Jahren und lieben die Stadt und die Region. Campingplatz gibt es zwei und ich kann mir vorstellen wo ihr gewesen seid. Der Strand lag vor der Bauruine, stimmt es? Es gibt aber bessere und auch freie Strände in Spotorno. Die schönsten freien Strände findest Du übrigens zwischen den Ortschaften Noli und Finale Ligure.

    Die Ecke wird hauptsächlich von Italienern besucht. Ist leicht von Turin und Mailand zu erreichen und die kommen auch gerne für das Wochenende an den Strand. Da gibt es zwei Typen, die ein wollen Komfort und gehen ins Hotel oder haben da eine Wohnung und wollen einen Strand mit Schirm und Liege und die anderen wollen nicht viel ausgeben, die schlafen zum Teil am Strand und nehmen jeden Platz am Strand der sich kostenlos bietet. Das sind einfach unterschiedliche Philosphien. Krass fand ich mal in Cervo (35 km weiter). Der bestand nur aus großen Steinen, aber war trotzdem voll, weil kostenlos.

    Ich kann gerne noch ein paar Tipps für Spotorno und die Region geben. In den vielen Jahren haben wir uns viel zwischen Monte Carlo und Genua, aber auch in Turin angeschaut.

    Viele Grüße
    Thomas

    • Lieber Thomas,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Ich dachte mir schon, dass unser wirklich sehr kurzer Eindruck von Spotorno nicht alles abbildet, was die Stadt eigentlich zu bieten hat. Her mit den Tipps, wenn du magst auch gerne als Gastbeitrag :)

      Liebe Grüße!
      Jolly

  • Bin jetzt erst auf deinen Beitrag gestoßen, während ich in Spotorno auf einem Campingplatz stehe. Ich finde der Ortskern an sich hat nicht viel zu bieten doch der Campingplatz auf dem wir uns befinden und auch der öffentliche Strand den wir hier aufsuchen sind relativ schön. Richtig schön wir der Strand gegen Abend (ca 6 Uhr) weil hier die meisten Besucher den Strand verlassen haben. Für mich ist Spotorno immer eine gern besuchtige Zwischenstation wenn wir im die Richtung fahren und an dem Ort vorbeikommen.

    Viele Grüße
    Gabriel

  • 1. Ligurien ist aus Platzgründen keine ideale Campingdestination.
    2. Strandferien in Italien bedeutet
    – Bagnis, welche bezahlt werden müssen aber auch einen Service bieten
    – Enge und Rummel (inkl. Kinder)
    Das war schon immer so und muss man halt wissen und akzeptieren.
    Insofern gibt es keinen objektiven Grund für Kritik.

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