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Wandern in Belgien für Anfänger – Teil 1

Wandern in Belgien für Anfänger 2015
Beitrag von Jolly

Mein erstes Mal Wandern in Belgien – ich bin begeistert. So nah und so unkompliziert Urlaub machen – ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist! Ich entdeckte diesen Frühling ein kleines Land und seine lieben Einwohner für mich.

Lest in diesem Artikel über eine Reiseplanung mit verdammt wenig Aufwand, eine Wanderung mit Burgen und gefährlichen Tieren in freier Wildbahn und wie ich meinen Französisch Wortschatz erweitert habe…


Wie ich das erste Mal bei den Nachbarn Wandern ging, nichts erwartete und sehr positiv überrascht wurde


Zwei Aachenerinnen, die noch nie wirklich in Belgien waren


Vor Kurzem ereignete sich folgendes Gespräch:

Eine Freundin aus den USA beneidete uns: „Mensch, ihr habt es so gut! Ihr wohnt so nah an so vielen Ländern, mit so alter Geschichte! Da seid ihr doch sicher oft unterwegs! Wie gefällt dir denn Belgien?“ und ich so: „Ähhh… Also… Naja… Pfff… Keine Ahnung?“.

Oh Mann! Sie hat total recht!

Wir wohnen in Aachen. Das Dreiländereck ist gerade mal eine Stunde von unserer Wohnung entfernt - zu Fuß! Mit dem Auto bin ich in 2 Minuten an der belgischen Grenze. Mein Mobilfunkvertrag beinhaltet, dass ich innerhalb Europas umsonst telefoniere, weil ich gar nicht zählen kann, wie oft das Netz wechselt, wenn ich an der Grenze entlang fahre. Der uns nächstgelegene blau-gelbe Möbeldealer ist in den Niederlanden und wir fahren manchmal nach Kerkrade (NL) ins Kino, weil dort mehr Filme im O-Ton gezeigt werden.

Aber: Ich hatte keine Ahnung wie Belgien so ist - geschweige denn, wie es mir gefällt!

Das hat sich jetzt geändert und ich muss sagen: Belgien hat mich überrascht und ein kleines bisschen verzaubert!

Wandern in Belgien | jollyandluke.de


Ein Kurzurlaub (fast) ohne Vorbereitung

Einmal im Jahr mache ich mit einer Freundin einen kleinen Wander-Kurzurlaub - raus aus dem Alltag, einfach Abschalten. Das machen wir bewusst immer unter der Woche, weil da - so die Hoffnung - weniger los ist. Weit weg soll es auch nicht sein, schließlich wollen wir uns die drei Tage ja nicht schon mit Autofahren voll packen. Letztes Jahr sind wir von Schalkenmehren nach Manderscheidt gewandert und am nächsten Tag zurück.

Dieses Jahr haben wir unsere gemeinsame Unkenntnis über Belgien zum Anlass genommen, uns dort etwas auszusuchen.

Die Reiseplanung

Nach welchen Kriterien wir unser Reiseziel ausgesucht haben und wie wir bei unserer minimalistischen Planung genau vorgegangen sind, könnt ihr bald auch hier lesen.
Es sei euch verraten, dass wir sehr faul waren und nicht mehr als 2 Stunden investiert haben!

Es sollte sich herausstellen: Diese Vorbereitung war vollkommen ausreichend!

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Unsere wunderschöne Unterkunft direkt an der Maas

Gelandet sind wir in der Wallonie, den süd-westlichen Ardennen.
Genauer gesagt in Profondeville an der Maas.

Profondeville - Belgien für Anfänger | Reisegeschichte auf jollyandluke.de Profondeville - Belgien für Anfänger | Reisegeschichte auf jollyandluke.de Profondeville - Belgien für Anfänger | Reisegeschichte auf jollyandluke.de

Unsere wundervolle Herberge: La Rouelle!*

Herzliche Gastgeber, liebevoll zubereitetes & sehr leckeres Frühstück, unkomplizierte Abwicklung des Organisatorischen Krams.

Die Unterkunft selbst war im Prinzip ein eigenes Mini-Haus mit zwei Ebenen und eigenem Eingang. Wir hatten Zugang zu einer eigenen Terrasse, durften den Garten mitbenutzen („Fühlt euch wie zuhause!“) und auch der Pool sah verführerisch aus - auch wenn wir den im April trotz Kaiserwetter nur zum Kühlen der Füße genutzt haben, war dann doch noch was frisch…

Gebucht haben wir vollkommen unkompliziert über booking.com* und bezahlen konnten wir vor Ort, direkt bei der Herbergsmutter.

Lest weiter, was wir erlebt haben:

Der einzige Wanderführer, den man als Anfänger in Belgien braucht

Es sollte sich herausstellen: Die Ardennen können Einiges!

Am Abreisetag haben wir bei einem leckeren Frühstück unsere Nasen in ein paar Wanderführer gesteckt und Routen rausgesucht, die in der Nähe von Profondeville sind.

Dabei mussten wir feststellen, dass wir uns das Ausleihen von dem einen und das Kaufen des anderen Wanderführers hätten sparen können: die meisten der schönen Routen sind in dem kostenlosen Wanderführer des Tourismusverbandes ebenfalls zu finden. Die Routen sind dort zudem sehr gut verständlich beschrieben und übersichtlich layoutet (find ich immer wichtig…). 

Für den ersten Tag durfte es eine leichtere Route zum Wandern sein: Die Nr. 22 - eine Rundwanderung von Falaën aus, die eine Burgruine und schöne Täler versprach.

Von Ruinen, schönen Landschaften, gefährlichen, wilden Tieren und einem neu gelernten Wort - Tag 1

Gesagt, getan: Ab nach Falaën, rein in die Wanderschuhe und los ging’s!

Wandern in den Ardennen - Belgien für Anfänger | Reisegeschichte auf jollyandluke.de

Von Falaën aus sind wir hinter der Dorfeigenen Burg ein kurzes Stück entlang der Landstraße gewandert und dann auch schon auf deinen netten kleinen Waldweg abgebogen. Die Tour war genau das richtige zum „Warmwandern“ - etwas Gemütliches für den Einstieg.

An einer alten Mühle vorbei und den Bach weiter entlang waren wir um diese Jahreszeit und an einem Montag trotz des wunderschönen Wetters ganz alleine unterwegs - genau das Richtige um abzuschalten.

Das war richtig schön entspannend: Komplett im Wander-Rhythmus und der Natur versunken, eingelullt vom leisen, fröhlichen Plätschern des Baches stapfte ich so vor mich hin…

... bis plötzlich meine Freundin mich mitten im Schritt zurückriss und nur wortlos vor uns auf den Boden zeigte...


...mein suchender Blick wurde gelenkt von einem bösen Hissen und Zischen… Eine riesige Schlange, die sich warnend vor uns aufgebaut hat!

Was tun? Das einzig sinnvolle haben wir in unserer Schrecksekunde eh gemacht: Still stehen bleiben und nicht näher ran gehen!

Im Nachhinein muss ich meine Wahrnehmung dieses riesigen, gefährlichen, wilden Tieres etwas korrigieren… Mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit, war es nur eine vollkommen ungefährliche Ringelnatter. Sie war auch sehr sicher lange nicht so groß, wie sie gewirkt hat - in so einem Moment können schnell aus 70-100 cm gleich gefühlte zwei Meter werden. Und sie hat sich ja auch freundlicherweise sofort in den Bachlauf verkrümelt - unsere Herzen haben trotzdem bis zum Hals geschlagen.

Und zur Sicherheit - natürlich nur um die Schlange nicht nochmal zu verschrecken, das arme Tier - haben wir einen (vermutlich irrational großen) Bogen um die Stelle geschlagen, an der die Schlange verschwunden ist… man weiß ja nie!

Langweilig war das definitiv nicht!

Kurze Zeit später entdeckten wir die versprochene Burgruine - die sieht schon von Weitem toll aus! Das Tor am Fuß des kleinen Hügels war offen und wir wanderten neugierig hinauf um uns das Ganze mal aus der Nähe anzusehen…

Und hier kommen wir zu meinen nicht vorhandenen Französischkenntnissen:

Alles, was ich auf Französisch sagen kann ist, dass ich kein Französisch spreche. Oben auf der Burgruine angekommen sollte ich ein neues Wort lernen: „Fermé! Fermé!“

Die Bedeung erschloss sich mir relativ schnell, als die Bauarbeiter auf der Burg dieses Wort ständig wiederholten und uns regelrecht wegscheuchten… ;)

Schade - aber morgen war ja auch noch ein Tag und Belgien hat viele alte Burgen und Schlösser!

Wir trollten uns schnell - weiter durch die schöne, grüne, hügelige Landschaft, vorbei an glücklichen Kühen und Schafen auf saftigen Wiesen und genossen dabei die Aussicht und den frischen Frühlingsduft in der Nase.

Mein Fazit zur ersten Wander-Route

Als Wegbeschreibung haben wir ausschließlich den Wanderführer des Tourismusverbandes genutz. Der war klein und handlich - die Route ist auf genau zwei gegenüberliegenden Seiten richtig gut beschrieben. Auch die Zeitangabe passte recht gut: Insgesamt waren wir etwas schneller unterwegs: 2,5 Stunden inklusive einer gemütlichen Pause. (zum Einzelnen Ausdruck der Route geht es hier).

Technik-Alternative: Auf Technik, wie GPS oder Handyortung wollten wir bewusst verzichten um den Alltag noch weiter zurück zu lassen. Wer das aber gerne macht oder lieber kein Papier nutzen/ mitnehmen möchte, dem sei die Seite outdooractive.com (auch als App) empfohlen. Unsere Route ist dort auch zu finden: Klick!

Wie es weiterging…

Die kleine Stadt Dinant und leckere belgische Waffeln

Wir haben uns den Nachmittag mit einem Streifzug durch Dinant, seine schöne Kirche und belgische Waffeln versüßt (ich hab das Originalrezept für euch gefunden - hier geht es zu dieser süßen Leckerei). Zur Zitadelle hoch hätten wir Eintritt zahlen müssen - ob mit Aufzug oder Treppe… Das haben wir uns nach der Wanderung dann gespart.

Dinant an sich ist ein hübsches Städtchen. Nach der Ruhe im Wald, war es für unseren Geschmack allerdings zu laut und zu voll. Wir haben gestaunt, wie viele Leute und Autos sich durch diese eine Hauptstraße (viel mehr gibt es in der Innenstadt nicht) getummelt haben und es waren wirklich nur wenige davon Touristen!

Am Abend haben wir unsere süße, gemütliche Unterkunft in Profondeville* bezogen und den Tag an der Maas gemütlich ausklingen lassen.

Ausblick auf Tag 2

Wie unser Kurzurlaub weiter ging, kannst du hier in Teil 2 unserer Belgien-Tour lesen. Was dich dort erwartet?

    > zweite Wanderung mit einem Ort um die Welt zu vergessen
    > ich als Prinz vorm Dornröschenschloss
    > ein großartiges Restaurant dort, wo man es nie vermuten würde
    > die kleinste Stadt der Welt: Durbuy
    > mein erstes Fazit zu Belgien als Urlaubsland!

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6 Kommentare

  • Hey Jolly :) ein schöner Bericht, man findet oft mehr interessante Orte als man denkt in der näheren Umgebung, von Amerikanern und Kanadiern kenne ich das auch, dass sie sagen in Europa liegt alles direkt um die Ecke :) fands auch super dich mal kennenzulernen
    lg

    • Hey Melli!
      Danke! Ich fand das Treffen auch super!
      Ich stelle oft fest, dass die Amerikaner Europa mehr als Einheit wahrnehmen, als wir selbst. Liegt vermutlich an den Proportionen in „the good old US of A“ ;)

      Liebe Grüße!
      Jolly

  • Ich finde Belgien ist ein sehr schönes Land schöne Dörfer schöne Städte schöne Landschaften vor allem sehr nette und Gastfreundliche Menschen

    • Genau so habe auch ich es erfahren, Norbert! Danke für deinen Kommentar!
      Belgien hat übrigens auch wunderschöne Kurven – für alle die, die gerne Motorrad fahren ;)

      Liebe Grüße!
      Jolly

  • Hallo! Wir, meine Frau und ich, machen sehr oft Ausflüge nach Belgien, Niederlande und Luxemburg. Wir kommen aus Stolberg, 10 km von Aachen. Wir gehen allerdings weniger wandern, sondern besichtigen lieber die Städte und/oder Sehenswürdigkeiten. In Belgien empfehlen sich einige Ardennendörfer, wie z. B. La Roche en Ardenne, einige Abteien, z. B. Val Dieu (gutes Essen) in der Nähe von Aubel, zum Wandern das Hohe Venn rund um Baraque Michel, und vieles mehr (selbst rund um Eupen, z. B. der Stausee). In Luxemburg lohnen sich Clervaux, Diekirch, Echternach, die Burg in Vianden und natürlich Luxemburg-City. Einfach mal hinfahren…

    Herzliche Grüße!
    Heinz

    • Wow! Vielen Dank für die ganzen guten Tipps, lieber Heinz!
      Vianden und Luxemburg generell (Stadt und Land) stehen auch schon lange auf meiner Liste – ist ja auch nicht so weit entfernt! :)

      Liebe Grüße zurück!
      Jolly

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